Jura-Grundlagen
Gutachtenstil einfach erklärt
Obersatz, Definition, Subsumtion, Ergebnis – der Gutachtenstil ist das Herzstück jeder Jura-Klausur. Hier lernst du die vier Schritte mit einem konkreten BGB-Beispiel und siehst, welche Fehler dich Punkte kosten.
Die 4 Schritte des Gutachtenstils
Obersatz
Der Obersatz nennt das Ergebnis und die Rechtsfrage in einem Satz. Er sagt dem Prüfer sofort, worum es geht.
Beispiel
K hat gegen V einen Anspruch auf Herausgabe des Kaufgegenstands aus § 433 Abs. 1 S. 1 BGB, sofern ein wirksamer Kaufvertrag vorliegt.
Typische Fehler
- Ergebnis fehlt oder wird erst am Ende genannt
- Rechtsfrage ist zu allgemein formuliert
- Mehrere Ansprüche werden im selben Satz behandelt
Definition
Hier definierst du die Voraussetzungen der geprüften Norm. Bei § 433 Abs. 1 BGB brauchst du Kaufvertrag, Parteien und Kaufgegenstand.
Beispiel
Ein Kaufvertrag nach § 433 Abs. 1 BGB setzt eine verbindliche Willensübereinstimmung über den Erwerb einer Sache gegen Entgelt voraus.
Typische Fehler
- Definition zu kurz oder unvollständig
- Falsche Rechtsfolge wird bereits hier diskutiert
- Abwehrrechte oder Einwendungen werden vorzeitig eingeführt
Subsumtion
In der Subsumtion wendest du die Definition auf den Sachverhalt an. Jeder Tatbestandspunkt wird geprüft und begründet.
Beispiel
K und V haben sich mündlich über den Kauf des gebrauchten Wagens für 8.000 € geeinigt. Der Vertrag ist somit zustande gekommen.
Typische Fehler
- Definition wird nur wiederholt, nicht auf den Fall angewendet
- Wichtige Tatsachen werden übersprungen
- Rechtsfolgen werden vorzeitig gezogen
Ergebnis
Das Ergebnis fasst das Zwischen- oder Endergebnis knapp zusammen und leitet gegebenenfalls zur nächsten Prüfung über.
Beispiel
Da ein wirksamer Kaufvertrag besteht, hat K gegen V einen Anspruch auf Übergabe und Übereignung des Wagens gemäß § 433 Abs. 1 S. 1 BGB.
Typische Fehler
- Ergebnis widerspricht dem Obersatz
- Neue Argumente werden erst hier eingeführt
- Zwischenergebnis fehlt bei mehrstufiger Prüfung
Gutachtenstil-Beispiel: Der gescheiterte Autokauf
Sachverhalt: K kauft von V einen gebrauchten Wagen für 8.000 €. Nach der Übergabe stellt K fest, dass der Motor einen Schaden hat, den V verschwiegen hat. K möchte den Wagen zurückgeben und das Geld zurückfordern.
Gutachtenstil korrekt
- K hat gegen V einen Anspruch auf Übergabe und Übereignung des Wagens aus § 433 Abs. 1 S. 1 BGB, sofern ein wirksamer Kaufvertrag vorliegt.
- Ein Kaufvertrag setzt nach § 433 Abs. 1 BGB eine Willensübereinstimmung über den Erwerb einer Sache gegen ein Entgelt voraus.
- K und V vereinbarten mündlich den Kauf des Gebrauchtwagens für 8.000 €. Damit liegt eine Willensübereinstimmung vor.
- Mithin besteht ein Kaufvertrag, sodass K gegen V einen Anspruch auf Übergabe und Übereignung des Wagens hat.
Häufige Fehler
- V hat K den Wagen verkauft, also muss er ihn herausgeben.
- Ein Kaufvertrag ist ein Vertrag.
- K und V haben sich geeinigt.
- Daher bekommt K den Wagen.
Wie Law Intelligence den Gutachtenstil prüft
Law Intelligence liest dein Gutachten wie ein Pflichtfachprüfer. Jeder Fehler wird einem der vier Schritte zugeordnet: fehlender Obersatz, unvollständige Definition, nicht angewendete Subsumtion oder widersprüchliches Ergebnis. So siehst du sofort, wo du in der nächsten Klausur punkten kannst.
Der schwierigste der vier Schritte ist die Subsumtion. Eine ausführliche Anleitung mit ausformuliertem BGB-Beispiel findest du auf unserer Seite Subsumtion schreiben.